Auf einer Anhöhe am westlichen Ortsrand, alle Dächer überragend, steht die einstige Wallfahrtskapelle auf Mauerresten romanischen Ursprungs aus dem 13. Jahrhundert. Fenster und Dachturm sind barock. Der Chor ist gotisch und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die ursprünglich befestigte Anlage ist dem Heiligen Kreuz geweiht und 1428 erstmals urkundlich erwähnt. Schon zu dieser Zeit verfügte die Kapellengemeinde über ein ansehnliches Grund- und Kapitalvermögen.
Bei Renovierungsarbeiten in den 1960er und 1990er Jahren wurden jahrhundertlang verborgene Sakramentshäuschen (Wandnischen) aus der Frühzeit und Wandmalereien aus der Zeit um 1480 freigelegt.
Unter den biblische Motive darstellenden Fresken befindet sich -in einer Nische- eine
nur noch schemenhaft zu erkennende Mittelrheinlandschaft mit Steilhängen, einem
Fachwerkgebäude, der Pfalz bei Kaub und den Burgen Liebenstein, Sterrnberg und Marksburg.
Die Deutung dieses Motivs dürfte in die Zeit zurückführen, als die Flößer aus dem Raum
Mainz/Wiesbaden, die den Heimweg von Koblenz und weiter rheinabwärts zu Fuß zurücklegen
mussten und deren Route über Braubach - Gemmerich - Oelsberg/Nastätten und Bad
Schwalbach führte, in die Kapelle zu Andacht und Gebet Einkehr gehalten haben. Die
Gemarkungsbezeichnung "Am Flößerpad" in der Nachbargemeinde und das Bildnis des
Schutzpatrons der Schiffer auf dem Triumpfbogen, des Heiligen Nikolaus, ist ein weiteres Indiz für
diese
überlieferung.
In der Kapelle findet einmal im Monat evangelischer Gottesdienst statt.
Walter Scheerer